CFP “Burg und Konflikt in Mittelalter und Neuzeit”

Internationale und interdisziplinäre Tagung des Marburger Arbeitskreises für europäische Burgenforschung e.V., der Abteilung für Archäologie des Mittelalters und des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und historische Hilfswissenschaften (beides Universität Tübingen), der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Landesgruppe Baden-Württemberg

 

Datum: 30.10. – 01.11.2025

Veranstaltungsort: Alte Aula, Tübingen

 

Unweigerlich werden Burgen mit Konflikten aller Art assoziiert. Dabei reicht die Spanne von kriegerischen Fehden und Belagerungen im Mittelalter bis zu ungelösten Fragen der Gegen-wart im Umgang mit Erhaltung, Sanierung und Finanzierung bestehender Burgen, Schlösser und Ruinen.

Im deutschen Südwesten etwa kam es im Laufe des Mittelalters zu mehreren militärischen Konflikten, bei denen einige der heute noch bekanntesten Burganlagen involviert waren. Beispiele hierfür sind die Belagerung der Burg Hohentübingen im Jahr 1078 durch König Heinrich IV. oder der „Reichskrieg“ von 1311 gegen den Grafen Eberhard I. von Württemberg, in dem zahlreiche Burgen zerstört wurden sowie der Städtekrieg von 1377, als unter anderem weite Teile der Burgenlandschaft der Schwäbischen Alb zu den Zielen reichsstädtischer Kriegs-züge gehörten. Eine weitere erhebliche Zäsur für die südwestdeutsche Burgenlandschaft stellte schließlich der Bauernkrieg von 1525 dar.

Da sich die Ereignisse im Jahr 2025 zum 500. Mal jähren, widmet sich ein Schwerpunkt der Tagung den damaligen Bauernaufständen. Dabei soll nicht nur das Jahr 1525 betrachtet und in den zeitlichen Kontext gestellt, sondern der Blick auch topographisch und chronologisch über den südwestdeutschen Raum hinaus erweitert werden. Bereits zuvor gab es Unruhen wie die Bundschuh-Bewegung, den Armen Konrad (1514) oder den Aufstand unter dem Pfeifer von Niklashausen (1476). Auch in England (1381), Frankreich (Grand Jacquerie 1358) oder Tirol (1526) kam es zu bäuerlichen Erhebungen.

Die konkrete Rolle von Burgen und anderen Befestigungen im Rahmen der verschiedenen Kriegshandlungen in Mittelalter und Früher Neuzeit bleibt dabei oft unklar. Wurden diese von den Angreifern als militärische Stützpunkte genutzt oder wurden sie als verhasste Symbole der Unterdrückung zerstört und geschleift? Hingen Erfolg oder Misserfolg der Aufständischen, sowohl Reichsstädter als auch Bauern, vom Umgang mit den Befestigungsanlagen ab, und wenn ja, wie? Und wie reagierten die betroffenen Eliten auf die Zerstörung ihrer Herrschafts- und Verwaltungssitze? Vielerorts wurden die Adelssitze nach den entsprechenden Kriegen offenbar deutlich wehrhafter aus- und wiederaufgebaut, andernorts dagegen unterblieb der Wiederaufbau sogar großer landesherrlicher Burgen. Inwieweit lassen sich diese und weitere Fragen anhand der zeitgenössischen Quellen beantworten und wie zeigen sich die jeweiligen Konflikte im archäologischen oder im bauhistorischen Befund erhaltener Anlagen?

Thematisieren möchten wir bei der Tagung aber auch die konfliktgeladenen Spannungsfelder, in denen Burgen sich heute befinden. Wer ist zuständig für Finanzierungsfragen und wie geht man mit Differenzen bezüglich Vermittlung von Burgen, öffentlichem Interesse, Denkmalschutz und modernem Marketing um? Welche heutigen Konflikte prägen das Thema Burg und welche Ansätze und Strukturen braucht eine moderne, zeitgemäße Burgenforschung und -vermittlung vor diesem Hintergrund?

Diese und weitere Fragen zu beantworten, setzt sich die Tagung zum Ziel. Vorträge aus den Bereichen Geschichte und Bauforschung sowie Archäologie und Kunstgeschichte, gerne aber auch aus anderen Disziplinen, die sich mit dem Thema Burgen und Konflikte auseinandersetzen, sind willkommen. Gewünscht sind Beiträge sowohl zu den Bauernkriegen als auch zu den früheren oder heutigen Konfliktkonstellationen.

Die Tagung bietet auch die Möglichkeit, aktuelle Burgenforschungen anderer Ausrichtung zu präsentieren, wobei eine Anknüpfung an die beiden Themenschwerpunkte willkommen ist.

 

Organisatorisches:

Beiträge können als Vorträge oder als Poster eingereicht werden.

Für Referenten entfällt die Tagungsgebühr in Höhe von 40 EUR.

 

Am Sonntag (01.11.2025) ist eine Exkursion zu Burgen und Schlössern in der Tübinger Umgebung geplant.

 

Bitte senden sie uns ihre Vortragsanmeldung mit kurzem Abstract bis zum 18. April 2025 an die folgende Adresse:

Michael Kienzle | michael.kienzle@uni-tuebingen.de