sicher alles andere als uninteressant ist, zumal sie in Stuttgarts alter Grafen- und Herzogsburg, dem Alten Schloss stattfindet. Wir werden die Gelegenheit haben, die Ausstellung mit unserem Mitglied Holger Starzmann zu besuchen, der uns führen wird. Anlass für den Ausstellungsbesuch ist der Termin unserer Vollversammlung
Unser Treffpunkt: Der Innenhof des Altes Schlosses Stuttgart
Treffpunkt:
12:00 Uhr, Innenhof des Alten Schlosses (Schillerplatz 6)
Eine Anmeldung ist nicht nötig.
Nach der Führung besteht Gelegenheit zum Mittagessen im nicht weit entfernten Restaurant Amadeus (Charlottenplatz 17), wo ab 13:45 Uhr ein Tisch für uns reserviert ist.
Wir verbinden Schönes mit Praktischem und lassen dem Mittagessen die Vollversammlung folgen:
Hiermit lädt der Vorstand zur Vollversammlung des Marburger Arbeitskreises für europäische Burgenforschung e.V. am 24. November 2018 im Restaurant Amadeus, 70173 Stuttgart, Charlottenplatz 17, für 15:00 Uhr MEZ ein.
Sollte nicht die satzungsgemäß vorgeschriebene Mitgliederzahl für eine Vollversammlung erscheinen, lädt der Vorstand hiermit zugleich zu einer zweiten Vollversammlung am 24. November 2018 im Restaurant Amadeus, Stuttgart, Charlottenplatz 17, für 15:15 Uhr ein. Diese Vollversammlung ist gemäß der Satzung unabhängig von der Anzahl der erschienenen Mitglieder beschlussfähig.
Tagesordnung
TOP 1: Feststellen der Beschlussfähigkeit, Bestimmung des Protokollanten
TOP 2: Genehmigung der Tagesordnung, Ergänzungsanträge
TOP 3: Genehmigung des Protokolls der letzten Vollversammlung vom 11.11.2017
TOP 4: Tätigkeitsbericht des 1. Vorsitzenden
TOP 5: Bericht des Schatzmeisters
TOP 6: Aktivitäten für die kommenden Jahre: Tagungen und Exkursionen
TOP 7: Publikationen
TOP 8: Verschiedenes
Anträge für TOP 8 reichen Sie bitte bis 18. November 2018 ein.
Nachdem uns unsere Tour ausgehend vom Startpunkt Braubach am Samstag (MAB on Tour Part 1) linksrheinisch von Koblenz moselaufwärts geführt hatte , haben wir uns am Sonntag für rechtsrheinische Gefilde entlang der Lahn mit Ziel Wetzlar entschieden. Im Gegensatz zum Vortrag hatten wir mit dem Wetter Glück und starteten bei strahlend blauem Himmel. Wir hatten uns vorgenommen, die beiden Städte Limburg an der Lahn und Wetzlar, jeweils mit weithin bekannten Domen, zu ‚erobern’, und uns ansonsten keine weiteren Vorgaben gemacht. Wir beschlossen, zunächst das weiter entfernte Wetzlar zu erreichen und Limburg auf der Rückfahrt zu besichtigen.
Nach einem kurzen Tankstop in Montabaur, das entgegen seiner eigentümlichen Namensgebung (vgl. FN Part 1) eher zur Kategorie der Orte „Da wollten Sie nie hin? Jetzt sind Sie nun mal da“ gehört, verleitete uns das schöne Wetter und die glückliche Entscheidung zur konsequenten Autobahn – Vermeidung schon nach einigen Kilometern auf der Bundesstraße 49 und kleinerer Landstraßen den ersten spontanen Fotostop einzulegen:
Weitblick nahe Montabaur. Foto: Verf.
Die Streckenwahl zahlte sich bald darauf noch mehr aus, denn ganz ungeplant zeigte sich am Horizont die eindrucksvolle Silhouette der Burg Merenberg – da mussten wir rauf, völlig klar!
Foto: Verf.
Während wir auf unser erstes spontanes Besichtigungs-Objekt zusteuerten, wurde zur Einstimmung aus der Begleitlektüre vorgelesen: „Die strategische Bedeutung der Burg resultierte insbesondere aus ihrer Lage oberhalb der Köln-Frankfurter Straße (Hohe Straße), die sich hier mit einem von Limburg nach Wetzlar führenden Fernhandelsweg kreuzte.“[1] Diese Wegsituation ist bis heute schon bei der Annäherung nachvollziehbar, und erschließt sich um so mehr beim ‚Fächer’- Blick vom Burgberg in die Umgebung.
Blick vom Burgberg Merenberg nach Westen. Foto: Verf.
Foto: Verf.
Blick zum ehem. Palasbau und Bergfried. Foto: Verf.
Merenberg, „das Tor zum Westerwald“, ist eine hochmittelalterliche Burggründung der Herren von Merenberg und wird 1129 erstmals urkundlich erwähnt. Die heute sanierte Burgruine zählt zu der Vielzahl an Objekten, deren eindrucksvolle Erscheinung und schon dadurch anzunehmende historische Bedeutung in keiner Relation zum Forschungsstand steht: sowohl die bauliche Entwicklung der Burg Merenberg als auch die Grundrissgestalt der „weithin sichtbar auf einem Basaltkegel gelegenen Höhenburg Merenberg ist weitgehend unbekannt“. (vgl. Eintrag EBIDat, Grundrisse uam hier ) Da wundert sich der Burgenforscher und sieht Forschungsthemen aller Orten – positiv gesehen: die Arbeit wird so schnell sicher nicht ausgehen… Für die frühere Bedeutung von Burg am Knotenpunkt wichtiger Handelswege spricht nicht zuletzt die Vergabe der Stadtrechte an die darunter liegende Ortschaft 1290. Denn groß kann diese ‚Stadt’ auch damals nicht gewesen sein.
Nun also auf nassau-weilburgischem Territorium (durch Heirat seit 1333), ergab sich die nächste Station quasi von selbst: Weilburg mit der weitläufigen Schlossanlage, die mit mehreren Trakten in jeweils epochentypischer Ausgestaltung einen Gang durch die (Bau-)Geschichte ermöglicht: “Spätmittelalterlicher Bauteil im Ostflügel, 1533-39 nach Süden erweitert. Neubau Süd- und Westflügel 1540-45, Treppenturm Westflügel und Neubau Nordflügel um 1575. Grafen von Nassau. Nördlicher Teil des Ostflügels 1662. Barocke Erweiterung und Veränderungen im 18. Jh. Baumeister sind Niklas Schickedanz (1538), Balthasar Wolff (zwischen 1539 und 1548), Ludwig Kempff (1560 bis 1573) und Georg Robin (1572? bis 1578)” (via Eintrag im Wiki Hessische Renaissanceschlösser von U. Großmann / des GNM )
Weilburg, im VG die Schlossanlage Quelle: Wikimedia Commons, Foto: Fritz Geller-Grimm (Unsername), CC BY-SA 3.0
Plan der Schlossanlage Weilburg 1907 (F. Luthmer) Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei
Gartenanlage auf den Terrassen des Weilburger Schlossparks vor dem Orangeriegebäude. Foto: Verf.
Blick von den Terrassen nach Osten, mit dem Landtor und dem Chor der hem. Kath. Kirche (19. Jh) rechts. Foto: Verf.
Untere Orangerie beim Aufgang zum Schloss (1711–13). Foto: Verf.
Obere Orangerie (1703–05). Foto: Verf.
Schloss Weilburg, Stich nach Matthäus Merian 1646
Ost- bzw. Lahnflügel (ältester Gebäudeteil des heutigen Schlosses) 1533-39. Foto: Verf.
Portaldetail am Ostflügel. Foto: Verf.
Nordflügel 1572/73 mit ‘korrekter’ Säulenordnung (korinthisch (1590) über ionisch :)) Foto: Verf.
Da auch dieser Stop spontan eingeschoben wurde, kamen wir nicht in den Genuss einer Führung bzw. Innenbesichtigung. Schade, denn dort gäbe es bau- bzw . kunsthistorische Schmankerl wie “ein verspieltes gotisierendes Gewölbe mit einem Rippenbogen” mit “aneinander vorbeizielenden, mit einer ‚Eisenschraube‘ verbunden Rippen” – wohlgemerkt in “einem Stück samt Schraube aus einem Stein gehauen“,
oder die “ Hofstube, durch einen Ofen vom Herdplatz aus zu erwärmen“, mit “zwei Rundpfeilern auf achteckigem Sockel und ein Kreuzrippengewölbe, dessen Rippen ein scheinbar regelloses Gewölbesystem bilden”, sowie “zwei Erkern, einen zur Lahnseite (Osten) und einen nach Süden. Letzterer ist mit einem Schlingrippengewölbe versehen. ”
Doch da sowohl der Kameraakku bereits schwächelte, als auch das schon wieder zu schwinden beginnende Tageslicht und sinkende Temperatur von einer ausgiebigen Besichtigung abhielten, beschränkten wir uns auf einen kurzen Rundgang und einer Ladung Wärme in Form von Kaffe und Kuchen am Stadtplatz – denn mit klammen Fingern und leeren Energiedepots ist nicht gut exkursionieren.
Das war die richtige Entscheidung, denn gut gelaunt traten wir die Weiterfahrt an, nicht ohne Weilburg u. Umg. auf die Liste der potentiellen zukünftigen Exkursionsziele gesetzt zu haben. So entstand dann auch eines meiner Lieblingsfotos des Wochenendes:
‚Burgenforscherinnen on tour ’ (offenbar eine streitbare Berufsbezeichnung, vgl. die im Vorfeld zum Bericht entbrannte Diskussion auf FB. Um neutral zu bleiben wähle man daher ‚Fugenmedium’ 😉 ) Foto: Verf.
Wir gaben der Ankunft bei Tageslicht am Reiseziel Wetzlar den Vorrang vor der Besichtigung der Kulisse (Schloss Braunfels) des Lieblingsfotos, so dass wir in den letzten Sonnenstrahlen das Ortsschild von Wetzlar passierten. Doch auch hier waren wir vor ruinösen Abschweifungen nicht gefeit: rechts oben riefen uns die Umrisse von Kalsmunt zu sich.
Ansicht von Wetzlar von Norden, mit Burgruine Kalsmunt rechts (noch mit deutlich mehr Bausubstanz) , aus Wilhelm Dilichs hessischer Chronik 1605
Auch für Kalsmunt, eine ehemalige Reichsburg und mutmaßliche Gründung Barbarossas im späten 12. Jh, wo (neben anderen) übrigens 1292 die Herren des zuvor besichtigten Merenberg als Burgmannen bezeugt sind, gilt leider „die Baugeschichte bedarf noch einer eingehenden Untersuchung.“ (vgl. Eintrag EBIDat ) Das spiegelt sich auch in der Beschreibung wieder, die den Beobachtungen vor Ort keine wesentlichen Inhalte oder Hintergründe hinzufügen kann. Jedoch lassen die aktuellen Grabungen auf dem Burggelände auf neue Erkenntnisse in absehbarer Zeit hoffen. (Die momentane Absperrung der Grabungen verhinderte eine ansehnliche Gesamtaufnahme, daher hier Rückgriff auf Wikimedia. Grundriss, Innenansichten und bauarchäologische Detailbilder auf der Seite zu Kalsmunt auf der Seite des LAGIS Hessen )
Bergfried Kalsmunt von Süden Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, Foto: Brego (Username)
Mauerwerks-Details am Bergfried. Foto: Verf.
Blick nach Nordosten, Teil der Umfassungsmauer Foto: Verf.
Blick vom Burgberg auf Wetzlar mit Dom Foto: Verf.
Blick zur Burganlage, rechts der Bergfried Foto: Verf.
Blick aus der Burganalge Richtung Stadt Foto: Verf.
Bergfried und Umfassungsmauerrest von Westen Foto: Verf.
Foto: Verf.
Im Gegensatz zur feierlichen Stimmung auf dem Burgberg Kalsmunt war durch Weihnachtsmarktgedränge, entsprechender Parkplatznot und Geräuschkulisse außerhalb (was haben Karussells neuerdings auf Weihnachtsmärkten verloren?) und innerhalb des Kirchenbaus (Gottesdienst inkl. vollzählig anwesendem Who’s-who der Stadt) ein ungehindertes Aufnehmen der Eindrücke kaum möglich.
Einen Rest Begeisterungsfähigkeit konnten wir trotz des unpassenden Ambientes aufbringen, denn der Dom von Wetzlar, eine der ältesten Simultankirchen in Deutschland, weist als Besonderheit eine ‚eingefrorene Bauphasenentwicklung’ auf: Nachdem man um 1230 im Osten mit dem Chor den Neubau des Doms begonnen hatte, wurde dieser im frühen 14. Jh unvollendet abgeschlossen, so dass der Heidenturm genannte spätromanische Nordturm der Vorgängerkirche bis heute durch den neueren, gotischen Bau umschlossen ist. Die Säulen der Erde lassen grüßen…
Grundriss des Doms mit den heutigen Ausmaßen. Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Blick durch das unfertige Gewölbe von Süden auf den Heidenturm Foto: Verf.
Westportal, im HG der Heidenturm Foto: Verf.
Nordseite, links Mauerabschnitt der romanischen , rechts Portal der nachfolgenden gotischen Bauphase. Foto: Verf.
Um einen besseren Blick auf die Konstruktionskombi aus beiden Bauphasen zu erhaschen, schlüpften wir ins planen-umhängte Abseits hinter Buden und Eisbahn zwischen Aggregaten, Glühfusel- und Ketchup-Kanistern und ließen uns auch von eiswerfenden Kindern nicht irritieren.
Digitale Rekonstruktionen des Zustands 897, 1190 und der gotischen Vision des nie fertiggestellte Westbaus hier
Doch nach dem kurzen Rundgang durch die Altstadt, wo uns der erzwungene Weihnachtszauber so gar nicht packen wollte,
Blick auf den Domplatz über das Glühmarktgetümmel hinweg. Foto: Verf.
Foto: Verf.
brachen wir rasch zur letzten Etappe auf: Limburg an der Lahn
Dom zu Limburg, nächtlich – festlich. Foto: Verf.
Foto: Verf.
Foto: Verf.
Echtes Bedauern an dieser Stelle ob dem nicht mehr vorhandenen Tageslicht – denn die Stadt ist definitiv die Anreise und eine längere Besichtigung wert. Hogsmeadeflair garantiert. Doch auch eine moderne Kuriosität, das Bischofshaus, fast schon Kategorie Katastrophentourismus, hat Limburg vorzuweisen.
Alternative zum Butterbeer im Three Broomsticks fanden wir motto- und regionsgerecht bei Ebbelwoi ausm Grippten im ‚Burgkeller’, wo wir sogar einen gastronomischen Bogen zum Beginn des Wochenendes (Burgenteller im Fachwerkdorado) schlagen konnten.
Einen scharfen Ritter als Abendmahl bekommt man eben (leider) auch nicht alle Tage kredenzt 😉
Foto: Verf.
[1]Thon, Alexander; Ulrich, Stefan; Friedhoff, Jens: „Mit starken eisernen Ketten und Riegeln beschlossen …“. Burgen an der Lahn, Regensburg 2008, S. 121.
Hiermit ein weiterer Blog-Beitrag ganz im eigentlichen Wortsinn (Tagebuch), der sich mehr als Reisebericht versteht und daher der Kategorie Site-Visits zugehörig – natürlich dafür mit umso mehr Bildern.
Anlass zur Rundfahrt war der Besuch zwei lieber MABler bei mir in der Philippsburg in Braubach am Rhein, Sitz des Europäischen Burgeninstituts, wo ich für insgesamt drei Monate die Ehre habe, als erste Stipendiatin das von der Deutschen Burgenvereinigung neu geschaffene Stipendium wahrnehmen zu können. Für mich viel Zeit für viele Bücher, für die DBV etwas frisches Blut für die alten Mauern – eigentlich eine Win-Win – Situation.
Dass die Zeit auch für diverse Besichtigungen genutzt wird, versteht sich von selbst – auch wenn die Jahreszeit dafür suboptimal ist. Doch das lässt sich zum Glück mit Glühwein ausgleichen, manchmal auch kombiniert mit besonders origineller Beleuchtung: wer braucht schon Weihnachtsbäume wenn es Weihnachtsburgenraketen gibt?
Marksburg bei Nacht im Dezember (Foto: Verf.)
Die erste Tour zu dritt startete am Samstag morgen nach einem gemütlichen Wochenendauftakt, bzw. für den Großteil der Anwesenden eher Ausklang der Redaktionssitzung der Burgen & Schlösser, mit vielen fachlichen und weniger fachlichen doch durchweg anregenden Gesprächen, ganz klischeegerecht im örtlichen Gasthaus am Marktplatz im Fachwerkdorado bei lokalem Rhein-Wein und regional gefärbten Gerichten (Salatteller Marksburg oder doch den Burgenteller? Falls zu kreativ optional das Bauernschnitzel oder den Rittertoast – da weiß man wo’s herkommt.)
Burg Sayn (Bendorf)
Auf den Tipp des ortskundigen H. L. hin, aka Mann mit Hut, war die erste Station das nahegelegene Sayn bei Bendorf am Rhein mit Schloss, Burg und den dazugehörigen Rittersitzen, den sog. Burghäusern, am Burgberg als Besonderheit .
Luftbild Burganlage Sayn oberhalb von Bendorf. Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, Foto: Wolkenkratzer (User)
Sayn? Ja genau, die Sayn (haha, Wortspiel), ab 1361 von Sayn- Wittgenstein. Die genauen Ursprünge der um 1152 ertsmals erwähnten (Stamm-)Burg sind unklar, eine Vorgängeranlage bestand möglicherweise in der sog. Alten Burg des 11. Jh auf dem Bergkamm etwa 600 m östlich, die Baugeschichte der Ruine der gräflichen Burganlage jedoch ist so vielschichtig, dass sie inkl. der Zubauten in fünf Bauphasen unterteilt wurde; vgl. die Einträge in der EBIDat / Linkliste zu Sayn. Zusammengefasst lässt sich die Burg als “hochmittelalterliche Dynastenburg und Herrschaftsmittelpunkt der 1139 erstmals urkundlich genannten Grafen von Sayn” ansprechen (laut EBIDat Sayn II). Die Nennung von Hofämtern ab 1200 ( insgesamt neun “ministeriales comitis de seine” ) passt zum Status der Burg als Residenzort der Grafen, den sie jedoch zur Mitte des Jahrhunderts nach dem Tod des Namensträgers und folgenden Zerplitterung wieder verlor (ein wohl zeittypischer Vorgang, der sich auch im Süden beobachten lässt, was z.B. die Wittelsbacher bekanntlich geschickt zu nutzen wussten, vgl. Territorialentwicklung in Altbayern). Aus der Phase ab / um 1200 stammen auch die bei Ausgrabungen entdeckten Grundmauern der Burgkapelle (Doppelkirche mit drei Apsiden) inkl. gut erhaltenem Zierfußboden, was für uns jedoch nur schemenhaft durch die angelaufenen Scheiben des Schutzbaus zu erahnen war.
Aufgegeben wurde die Burg Ende des 17. Jh nach dem Tod des letzen Grafen und der Zerstörung der Burg im 30jährigen Krieg.
Von diesem offenbar nicht betroffen waren die Burghäuser am Burgberg (Grundriss, Rekonstruktion), darunter das sog. Steinsche Burghaus des 14. Jh , ein Ministerialensitz der Herren vom und zum Stein unterhalb der Dynastenburg, sowie das mittlere Burghaus aus dem 15. Jh, das mit der Burg durch eine Mauer verbunden ist. Unten am Hang folgt noch das Mitte des 19. Jh. zum Schloss Sayn ausgebaute Reiffenberger Burghaus.
Durch die Flussnähe an diesem Tag in dichten Nebel gehüllt, gaben deren Ruinen auf dem Anstieg den Burgberg hinauf besonders pitoreske Motive ab:
Das Mittlere Burghaus von Norden. Foto: Verf.
Das Steinsche Burghaus vom Burgberg herab gesehen, dahinter Bendorf. Foto: Verf.
Blick in den Vorhof der Hauptburg, links der Bergfried und Zugang zum Burghof Foto: Verf.
Blick vom Vorhof der Hauptburg nach Westen, mittig der Schutzbau über den Resten der Burgkapelle Foto: Verf.
Der Bergfreid der Hauptburg (wer hätt’s gedacht) Foto: Verf.
Blick von der Burgkapelle Richtung Steinsches Burghaus / Bendorf Foto: Verf.
Noch ein letzter Blick von oben auf Schloss Sayn am Fuss des Burgbergs,
Fotos. Verf.
und ab nach Koblenz ins wärmere ‘Milijö’ zu heißer Schokolade – mhhh.
In Koblenz mussten wir den Mann mit Hut dann schweren Herzens den Heimweg in den Norden antreten lassen. Nicht nur über seine Gesellschaft hätten wir uns bei der Weiterreise gefreut, sondern auch über etwas Ausgleich in der nun rein weiblich besetzten Burgenfahrt – was uns bei unserem nächsten Ziel, der Burg Thurant an der Mosel, bewusst wurde.
Burg Thurant (Alken)
Blick auf dei Burg Thurant und den darunterleigenden Ort Alken von der gegenüberliegenden Seite der Mosel Foto: Verf.
Blick ins Moseltal bei Auffahrt zur Burg Thurant Foto: Verf.
Blick von der Burg Thurandt moselaufwärts Foto: Verf.
Diese hatte nämlich neben der wechselvollen Bau- und Besitzgeschichte eine eher zweifelhafte Nutzung in moderner Zeit als Filmlocation eines gewissen Genres erfahren (im Jahre 1990; Raubritter; D. Buster). Der Kleiderständer aus Geweihen, mutmaßlich ein Lieblingsstück des ‘Jägermeisters‘ persönlich, passte nur zu gut ins Bild.
Blick in das wiederaufgebaute sog. Jagdhaus am Nordende der Burg (vmtl. ehem. Kemenate, wie der von außen über eine Feuerkammer zu beschickende Kamin andeutet) Foto: Verf.
Des Jägermeisters Lieblingsstück im Jagdhaus / Kuriositätenkabinett, mit passendem Schirmständer Foto: Verf.
Doch zunächst ein paar Stichworte zum historischen Background: ähnlich wie in Sayn liegen hier die Ursprünge der Anlage um 1200. Sie geht auf Pfalzgraf Heinrich den Langen, Sohn Heinrichs des Löwen zurück, der mit der Burg die welfischen Machtbestrebungen an der Moseln stützen wollte. Der Name wird in Verbindung mit der Teilnahme Heinrichs am 3. Kreuzzug in Verbindung gebracht, wo er Zeuge der vergeblichen Belagerung der Burg Toron bei Tyrus wurde. Bald darauf begann die wechselvolle Besitzgeschichte: 1216 Erzbistum Köln, 1230 und 1238 zurück an die Pfalzgrafen, 1243 erneute Auseinandersetzungen, diesmal mit dem Trierer Erzbischof Arnold von Isenburg, der nach zweijähriger Belagerung 1246-48 mit Unterstützung des Kölner Amtskollegen Konrad von Hochstaden die Burg Thurandt einnehmen konnte. Zwischen diesen beiden geistlichen Landesherren wurde Thurant geteilt und nachfolgend Kondominat.
Die länglich-ovale Grundrissform der Anlage ist wohl noch auf die um 1200 entstandene Gründungsanlage zurückzuführen, während das aufgehende mittelalterliche Mauerwerk zumeist in die Zeit nach 1248 datiert. Burg Thurandt nimmt ein von Norden nach Süden gestrecktes Rechteck ein, dessen Nordseite ausgebuchtet ist. (vgl. EBIDat Thurant ) und besetzt den länglichen Sporn oberhalb von Alken an der Mosel, ehemals war die Burg auch durch eine Mauer mit dem Ort verbunden.
Luftbild der Burg Thurandt oberhalb von Alken an der Mosel, aus Südosten. Der Ort liegt in Richtung der Weinberge. Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, Foto: Wolkenkratzer (Username)
Grundriss Burg Thurant Quelle: Wikimedia Commons, CC 0 / gemeinfrei
Die Besitzgeschichte spiegelt sich auch in der Baugestalt mit den beiden charakteristischen runden Bergfrieden wieder, mit der sog. Trierer Burg im Süden und dem Kölner Pendant im Norden, jeweils mit eigenen Wohn- und Wirtschaftsbauten.
Ab dem späten Mittelalter war die Burg in Besitz verschiedener Adelsfamilien, im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zerstört kaufte 1911 Geheimrat Dr. Allmers die Ruine und ließ sie wiederherstellen, die Familie teilt sich heute den Besitz mit der Familie Wulf, nachdem die Burg 1960 nach amerikanischem Beschuss wiederaufgebaut wurde.
Auf die oben erwähnte Nutzungsgeschichte machte uns unser netter ortsansässiger Guide, der sich freundlicherweise bereit erklärt hatte, uns die Burg trotz Feierabend und Saisonende zu zeigen, aufmerksam – jedoch erst, nachdem wir bereits in Kapelle und ehem. Wohngebäuden gewesen waren und nun als Highlight einen der beiden Bergfriede erklommen. Der Weg nach oben vorbei an diversen Foltergeräten, sowie dem unvermeidbaren Angstloch, hier zusätzlich mit menschlichen Knochen dekoriert, plus der alles umwallende, zum Schneiden dichte Nebel taten ihr übriges, so dass wir doch etwas Mühe hatten, das burgenkundliche Interesse nicht von abschweifenden Gedanken trüben zu lassen.
Blick Richtung Südwesten / Bergfried der Trierer Burg., im VG wiederaufgebautes Wohnhaus mit Kapelle im UG. Foto: Verf.
Blick Richtung Norden mit Wehrgang und Bergfreid der Kölner Burg im HG. Foto: Verf.
Foto. Verf.
Reste des Kölner Palas mit Kaminverlauf und Balkenlöchern (Säulen der Fensteröffnungen Zutat des 20. Jh) Foto: Verf.
Blick vom Kölner auf den Trierer Bergfried, im VG der Kölner Palas und dahinter das neu aufgebaute Kapellen- bzw. Wohnhaus. Foto: Verf.
Oberburg mit Matthiaskapelle (Kobern)
Als letzte Etappe hatten wir uns die Matthiaskapelle bei der Oberburg in Kobern vorgenommen, das Highlight unter den historischen Bauten des Orts, von welchen dieser mit der Niederburg, den Kirchen sowie dem Wohnturm der Ministerialenfamilie Romlian im Ort und den Mühlen am Burgberg eine große Dichte aufweist. (vgl. dazu auch die interaktive Karte Kulturraum Untermosel)
Oberburg mit der Matthiaskapelle im HG und Niederburg oberhalb von Kobern, gesehen vom geegnüberliegenden Moselufer Quelle: Wikimedia Commons, CC BY 2.0, Foto: Historiograf (Username)
Bergfried der Oberburg, daneben das Wärter- und Restaurantgebäude (Neubau 1989/91 auf älteren Grundmauern) Foto: Verf., Okt. 2016
Blick von der Anhöhe der Ober- auf die Niederburg Richtung Südosten / moselaufwärts. Foto: Verf., Okt. 2016
Opus Spicatum – Lagen im Mauerwerk der südlichen Umfassungsmauer der Oberburg. Foto: Verf., Okt. 2016
Die Matthiaskapelle der Oberburg von Südosten. Foto: Verf., Okt. 2016
Die Kapelle ist Teil der ‘Denkmalzone Oberburg ‘ (vgl. Vezeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Mayen- Koblenz), zurückgehend auf die 1126 erstmals genannten Herren von Kobern, die von Gerlach I. von Isenburg-Kobern beerbt wurden. Im Zuge einer Auseinandersetzung Gerlach I. mit dem Trierer Erzstift werden 1195 sowohl die Oberburg bzw. ‘alde Burg’, als auch die Niederburg, etwas weiter unterhalb auf dem gleichen Sporn, genannt.
Besonderheit ist die Gestaltung der Burgkapelle, die “zu den kunstvollsten Werken spätstaufischer Architektur im Rheinland gehört. Lediglich die Burgkapelle von Vianden ist von ähnlicher künstlerischer Bedeutung.” Die Matthiaskapelle ist “nur aus ihrer ursprünglichen Funktion als Reliquien- und Wallfahrtskapelle zu verstehen: In der Kapelle wurde das Haupt des Apostels Matthias aufbewahrt.” ( heute in der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier, vgl. Beschreibung Generaldirektion staatl. Erbe Rheinland-Pfalz) Vermutlich brachte diese der Kreuzfahrer Heinrich I. von Isenburg-Kobern mit, der nach seiner Rückkehr um 1220 die Kapelle errichten ließ. [1] Der Vergleich mit der Grabeskirche in Jerusalem liegt natürlich nahe. Auch in Kobern handelt es sich um einen polygonalen Zentralbau mit Obergeschoss bzw. Umgang, hier jedoch hexa – statt oktogonal.(Grundriss, Rekonstruktion) Der Innenraum wird durch Säulen mit kunstvollen spätromanischen Kapitellen gegliedert.
Blick in den Innenraum der Matthiaskapelle. Foto: Verf., Okt. 2016.
Von diesem bekamen wir zu so später Stunde und ohne Voranmeldung nichts mehr zu Gesicht, bei einem vorhergehenden Besuch konnte ich einen Blick erhaschen (s. Foto), doch ob die zwar an der historischen Überlieferung orientierte Farbfassung wirklich als “im Glanz des 19. Jh erstrahlend” bezeichnet werden kann, ist wohl Geschmackssache. Ins Auge fallen jedoch auch die Rundbogenfriese am Außenbau mit ihrer unregelmäßigen Bogenverteilung und -formgebung an der Apsis, sowie auch hier die kunstvolle Steinbearbeitung im Portalbereich.
Obwohl klar war, dass es bei Ankunft bereits dunkel sein würde, lohnte sich schon allein die abenteuerliche Anfahrt vorbei an den Mühlen im Mühltal hinter dem Burgberg, die jeder Harry Potter – Kulisse alle Ehre machen würden,
Foto: Verf.
weiter auf einspurigen Serpentinen durch knorrigen Eichenwald, immer auf Ausschau nach plötzlich auftauchenden Wildschweinen, oder Trollen. Oben angekommen wurden wir immerhin vom Anblik der vorweihnachtlich angestrahlten Kapelle belohnt – der perfekte Abschluss des ersten Ausflugstags. Dabei sollte die ‘Ausbeute’ am nächsten Tag noch bei weitem getoppt werden – dazu in einem nächsten Beitrag.
Foto: Verf.
[1] Da nun nach der Beschreibung der Matthiaskapelle mehr oder weniger unbeabsichtigt zum zweiten Mal die Stichwörter Isenburg und Kreuzfahrt im Kontext von zwei Objekten innerhalb eines Kulturraums gefallen sind, scheint diese Spur die ein oder andere weiterführende Überlegung wert. Verfolgt man die Spur etwas, landet man rechts des Rheins bei der Isenburgischen Stammburg und von dort liegt z.B. Montabaur nicht mehr weit, dessen Name wiederum wie im Fall Thurants auf Kreuzfahrer-Erlebnisse zurückgeführt wird – hier im Bezug auf den Berg Tabor in Israel, welcher wie Toron als mutmaßlicher Namensgeber der Burg Thurant von Kreuzrittern umkämpft wurde. Ob und in wie weit diesen Herleitungen im Speziellen geglaubt werden darf, ist ohne detaillierte Nachforschungen hier nicht zu klären. In jedem Fall scheint in dieser Region der Einfluss der Erlebnisse der adligen Kreuzfahrer sich des Öfteren baulich manifestiert zu haben, wie es das Beispiel Matthiaskapelle eindrücklich zeigt. Interessant wäre eine Suche nach weiteren, ggf. neuen Beispielen in dieser, sowie ein Vergleich diesbezüglich mit anderen Regionen
heute gibt’s was “leichtes” mit vielen Bildern zum anschauen:
am Freitag habe ich Praktisches mit Angenehmem verbunden und den Besuch des zeuneschen Büros für Burgenforschung (Premiere 1) mit einer kleinen Burgenwanderung verbunden – einen Tag in der Allgäupostkarte verbracht (Premiere 2) , wie sie kitschiger nicht hätte sein können, inklusive malerischer Burgruinen:
“Hoch über dem Dorf Zell und dem gesamten Umland thronen weithin sichtbar auf einem Kalkmassiv zwei gewaltige Burgruinen: Eisenberg und Hohenfreyberg. Obwohl ihrerseits eine recht junge Burggründung, ist die Burg Eisenberg um hundert Jahre älter als ihre Nachbarburg Hohenfreyberg.” (Zeune, Burgenregion Allgäu. Ein Burgenführer, o.O. 2008, S. 24)
Ich muss sagen, ich verstehe warum Herr Zeune sich in dieser Gegend niedergelassen hat. Das Allgäu, bis dato ein weißer Fleck meiner imaginären (Burgen)Landkarte, ist wirklich paradiesisch schön und hat dazu eine immens hohe Burgendichte – nicht umsonst auch als eigene Burgenregion bezeichnet (Und eine weitere Bestätigung der Regel “Je mehr Burgenforschung in einer Region, desto größer die dortige Burgendichte”). Also ein ideales Exkursionsziel, sollte es sich ergeben, dass wir mal nicht wissen wohin 😉
Ich gehe davon aus, dass die meisten doch schon einmal dort waren oder zumindest über das ein oder andere Bauwerk dort gelesen haben, daher spare ich mir mal die Einführung und lasse stattdessen Bilder sprechen:
Blick auf die Burg Hohenfreyberg von der Nachbarburg Eisenberg Foto: Verf.
gilt als einer der letzten großen Burgneubauten des deutschen Mittelalters: bewusst anachronistisch, folgt dem Bautypus der hochmittelalterlichen Höhenburg
drei Hauptbauphasen:
Grundriss und Baualtersplan auf der Infotafel am Zugang. Quelle: Wikimedia Commons, CC 0
1418-32 erbaut Friedrich von Freyberg zu Eisenberg die ursprüngliche Anlage mit zwei winkelförmig im Burghof stehenden Wohngebäuden, einem bergfriedähnlichen Hauptturm im Osten und einem Kapellenturm.
1456 Toranlagen verstärkt, Artilleriehäuschen an der Westfront der Kernburg zum Einsatz von leichten Feuerwaffen
1486 und 1502 Umbau und Verstärkung, Zwingeranlagen, Artillerierondell am Südwesteck, Erhöhung der Ringmauer, zusätzlich Schlüsselscharten für Hakenbüchsen, Tor der Hauptburg wurde auf die Westseite verlegt, neuer Torturm => Abbruch der Nordhälfte des großen westlichen Palas=> Umbau des kleineren Palas.
Um 1540 Westfront der Kernburg durch eine Artillerieplattform verstärkt, die den Anweisungen aus Dürers 1527 “underricht zu befestigung der Stett, Schloß und flecken” (1527) enstpricht. Gleiches ist bei den Befestigungen des 16. Jh der benachbarten Burg Eisenberg festzustellen.
Südseite Foto: Verf.
Der große Artillerieturm im Südwesten (Vorburg) Foto: Verf.
Verf. im 7. Burgenhimmel 🙂
Innenhof mit ehem. Wohngebäuden. Blick nach Westen, vom Bergfried im Osten aus gesehen . Links in der Ecke der Zugang zum ehem. Kapellenturm Foto: Verf.
Reste des Bergfrieds im Kernbereich Foto: Verf.
Zwinger, Blick nach Westen / Torbereich Foto: Verf.
Ende 15. Jh: Verstärkung und Modernisierung: Erhöhung des Mantels, mit Zinnenabschluss, Zwinger um die Kernburg, Ausbau der Befestigung der Vorburg
16. Jh: heutige Eingangssituation (ursprünglicher Zugang von Osten), Bastion vor das alte Tor.
Innenbereich: Wohn- und Wirtschaftsbauten, Wände teilweise erhalten. Auch hier zwei Palasse, sowie Kapelle, Zisterne, Back- und Badestube, Reste der Kellergewölbe. Innenbebauung direkt an die Mantelmauer angefügt.(weitere Infos auch hier)
Der ‘Hohe Mantel’ Foto: Verf.
Balkenlöcher der Wohnbauten an der Mantelmauer Foto: Verf.